Es wird langsam Herbst. Und mit dem Herbst steigt auch wieder der Stress. Also Yogalehrerin merke ich das ganz deutlich – der Sommerurlaub ist vorbei, die Arbeit geht wieder los, die Kinder müssen wieder in die Schule. Volles Programm. Und vom Herbststress geht’s dann direkt über in den Weihnachtsstress, Geschenke kaufen, und oh Gott die Familie besuchen, überfressen, Vorsätze machen, und dann auf ins neue Jahr und ins neue Glück. Press Play.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich viel mit dem bösen Stress beschäftigt. Und herausgefunden, dass wir als Individuen tatsächlich auch unterschiedlich auf Stress reagieren. Faktoren gibt’s viele und sind auch noch weitestgehend unerforscht. Fakt ist aber, dass unser Stress sich aus einer Mischung aus Persönlichkeitstyp und körperlicher, hormoneller Reaktion manifestiert. Und weißt du was? Wie bei allem anderen gibt’s auch bei diesem Thema keine allgemeingültige “das musst du bei Stress tun” Lösung.

Im letzten Blogbeitrag habe ich dir die Ameise vorgestellt (hier geht’s zum letzten Blogartikel). Emsig, energiegeladen und immer am zappeln. So grob zusammengefasst. Heute geht es um den Stresstyp Biene. Vielleicht bist du ja eine Biene?

Was macht den Stresstyp Biene aus?

Als Stresstyp Biene hast du immer ellenlange ToDo-Listen. Du bist der Meister im Multitasking, machst irgendwie alles und nichts. Da du hohe Ansprüche an dich selbst stellst, fällt es dir schwer, manchmal überhaupt anzufangen und prokrastinierst dann. Du bist von der schieren Menge deiner Aufgaben überwältigt. Trotzdem machst du immer weiter. Dabei setzt du weniger aufs Tempo, wie die Ameise es tut. Du bist wie ein Motor, rackerst, rackerst, und dann geht dir irgendwann das Benzin aus. Puff.

Und dann sitzt du apathisch und zombiemäßig auf dem Sofa und kannst nichts mehr tun. Gar nichts. Auch wenn du eigentlich willst. Du hast diese Zeiten, in denen du einfach zusammenbrichst und dann keine Energie mehr übrig ist. Diese Zusammenbrüche kommen für dich und dein Umfeld völlig überraschend. Du ignorierst Stresssignale und merkst nicht, wenn du über deine Grenzen gegangen bist.

Liebe Biene, schon mal diese Stresssignale an dir bemerkt?

Wenn du gestresst bist, wird dir schnell schwindelig und übel. Du brauchst dann viel Schlaf, eigentlich. Es kann aber gut sein, dass du in einen Stress-Schlafmangel-Teufelskreislauf rennst. Erinnern wir uns noch einmal an die Ameise? Die Ameise hat durchweg hohe Cortisol- und Adrenalinwerte. Diese beiden Stresshormone halten sie permanent aufrecht. Als Biene hast du erhöhtes Cortisol. Natürlicherweise ist im Menschen der Cortisolspiegel frühs hoch (damit wir aus dem Bett kommen!) und abends niedrig (damit wir einschlafen können!). Ist der Cortisolspiegel gestört und dauerhaft erhöht, tja, dann ist’s um den tiefen Schönheitsschlaf geschehen.

Das Adrenalin allerdings, das ist beim Stresstyp Biene recht niedrig. Und das wiederum (keine Sorge, das wird keine Biologiestunde) sorgt dafür, dass du diese plötzlichen Zusammenbrüche hast, in denen dann gar nichts mehr geht. Die Biene ist übrigens der Stresstyp, der am meisten zum Burnout neigt!

Psychisch-mental wirst du bei Stress apathisch und bist schnell irritiert. Die kurze Zündschnur, kennst du das? Du hast tausend Dinge zu tun und dann nervt dich dein Chef mit irgendeinem belanglosen Sch…? Weil du so hohe Ansprüche an dich selbst hast, hast du schnell das Gefühl, festzustecken und gar nicht mehr weiterzukommen. Vielleicht macht dich das auch wütend und bitter.

Wie du als Biene mit Stress umgehen kannst

Für dich als Stresstyp Biene habe ich viele Tipps und Übungen, die du machen kannst. Dazu kommen wir gleich noch. Sie kommen aber alle auf’s Gleiche raus: Reality-Check.

Als Biene frisst du deinen Stress und deine negativen Emotionen und deine Ohnmacht und deine Wut und dein… einfach alles! – gerne in dich rein. Das staut sich alles in dir an. Wie eine riesige, dicke, fette, dunkle Wolke. Und was passiert, wenn du den ganzen Tag eine dunkle Wolke in dir herumschleppst? Naja, selbst wenn dir ein Lichtstrahl oder ein hübscher Schmetterling über den Weg läuft, du siehst es nicht. Ist ja zu dunkel.

In deinem Inneren hast du dir eine Welt mit Glaubenssätzen über dich selbst und deine Umgebung aufgebaut, die bombenfest ist. Ein typischer Satz für eine Biene ist zum Beispiel “Ich muss das jetzt noch schaffen”. Kennst du das? Egal welche Sätze du dir sagst, die dich noch mehr in den Stress und in die Ohnmacht schicken… tu mal folgendes. Reality Check. Frag dich:

  • Was steckt hinter meiner Aussage? Wovor habe ich Angst? Häufig steckt hinter der Aussage “Ich muss das jetzt noch schaffen” eine Versagensangst.
  • Stimmt es wirklich, dass ich versage? Und dementsprechend: dass ich wertlos bin?
  • Wie reagiere ich und was passiert, wenn ich an diesen Gedanken glaube?
  • Wer bin ich ohne diesen Gedanken? Was wäre, wenn ich das Gegenteil glaube? “Ich versage nicht, ich bin als Mensch okay, auch wenn ich das jetzt nicht schaffe.”

Stell dir diese Fragen immer wieder. Du wirst sehen, dass du dir eine Realität erschaffen hast, die sich negativ auf dein gesamtes System auswirkt.

Übungen für den Stresstyp Biene

Als Biene bist du einfach immer so beschäftigt (nicht unbedingt produktiv…), dass du dir gar keine Zeit lässt, auf dich zu hören. Deswegen habe ich ein paar Tipps für dich, um den schlimmsten Stress und Zusammenbrüche zu vermeiden:

  • Ich weiß, du liebst deine ToDo-Listen. Es ist okay. Du darfst auch weiterhin Dinge tun 😉 Aber versuch mal, nicht einfach eine ellenlange Liste von oben nach unten runter zu schreiben, sondern lieber eine Tabelle zu erstellen. Unterteile deine Tabelle in zwei Spalten und schreibe auf die linke Seite Aufgaben, die eine hohe Priorität haben und viel Denkleistung erfordern – notiere ganz oben die wichtigste Aufgabe, weiter unten die weniger wichtigen Aufgaben. Mein Tipp: nimm dir pro Tag nicht mehr als zwei oder drei große, wichtige Aufgaben vor – alles andere bekommst du nicht mit voller Konzentration hin! Stichwort Biorhythmus und so. In die rechte Spalte schreibst du viele kleine Aufgaben, die du quasi ohne Hirn machen kannst. Besorgungen, Emails beantworten, spaßige Dinge (du darfst auch Spaß haben!). Diese Aufgaben kannst du “zwischenrein schieben”. Mehr zu dieser Art der ToDo-Listen findest du im Artikel von Dr. Martin Krengel.
  • Starte deinen Morgen mit einer Tasse Kaffee. Gut, oder? Das gibt ein wenig Anschub. Den Rest des Tages über lieber zu Tee greifen.
  • Wenn du gestresst bist und gerade in einer Crash-Phase bist, mache keinen anstrengenden Sport. Auspowern darfst du dich als Biene nur, wenn es dir hervorragend geht und du keine Stresssymptome zeigst. Mach lieber einen entspannenden, sanften Yoga-Flow.
  • Trage dir regelmäßige Pausen in deinen Kalender ein (ja, in den Kalender! Du denkst sonst nicht dran, Biene!), mehrmals pro Tag einige Minuten. Schließ die Augen und mach einen Bodycheck. Wie fühlst du dich? Schwindelig, Kopfschmerzen, übel? Was machen die Gedanken? Wie ist deine Einstellung? Fühlst du dich gereizt, wütend, willst Dinge an die Wand schmeißen? Biene, dann bist du gestresst. Dann brauchst du eine größere Pause oder alternativ ein Wellness-Programm nach der Arbeit. Tu dir dann was gutes. Ein schönes Essen, ein gutes Buch, was auch immer du magst. Ignorier deinen Körper nicht.

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Hast du den Artikel gelesen und dich als Stresstyp Biene identifiziert? Teile gerne deine Erfahrungen mit mir. Wenn du mehr Tipps haben möchtest, wie du mit Stress umgehen kannst, trag dich auch gerne in meinen Newsletter ein. Die unterschiedlichen Stresstypen hat übrigens Carien Karsten, Psychologin und Management-Consultant mit Schwerpunkt Stressberatung und Burnout, erforscht. Ich habe sie für dich tierisch aufbereitet 😉

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