Im Moment fällt es mir unglaublich schwer, einen Einstieg in diesen Artikel zu finden. Die ersten Sätze sind irgendwie immer ein Krampf. Als müsste man erst einmal seine Obelix-Kraft aktivieren, um den kreativen Flow anzuschieben. Darum habe ich mich jetzt einfach mal dazu entschlossen, das Thema des Artikels direkt anzuwenden: “Satya”, Wahrhaftigkeit.

Kennst du das auch? Egal, in welchem Bereich du kreativ bist? Der Anfang ist immer der schwerste, oder? Schreib mir gerne in die Kommentare, wie du damit umgehst. Aber nun zum Eigentlichen: In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam das zweite Yama, Satya, an. Und wie man ein wahrhaft authentisches Leben führen kann.

Was ist überhaupt Satya?

Satya, das ist eines der fünf Yamas aus Patanjalis Yogasutra. Über das erste Yama, Ahimsa, habe ich in meinem Artikel “Ahimsa – 5 Ideen für ein gewaltfreies Leben” berichtet. Dort findet ihr auch Infos zu den Yamas und dem Yogasutra allgemein.

Satya, das ist ein Sanskrit-Begriff und bedeutet “Wahrheit, Wahrhaftigkeit”. Da Satya eines der Yamas ist, handelt es sich hier um eine Verhaltensregel gegenüber anderen. Man sollte also nicht lügen. Wahrhaftig sein bedeutet aber auch, seine eigene Meinung, den eigenen Standpunkt und die Emotionslage zum Ausdruck zu bringen und nicht zu verschleiern.

Wann vergessen wir Satya im Alltag?

Es mag uns oft gar nicht so bewusst sein, wie unwahrhaftig (ist das überhaupt ein Wort?) wir eigentlich leben. Kerstin von “so-ham” beschreibt zum Beispiel in ihrem Artikel “Das 2. Yama: Satya (Wahrhaftigkeit / Offenheit / Ehrlichkeit)” wie man sich selbst auf der Yogamatte austrickst: Da werden Gefühle verdrängt oder vielleicht überschreiten wir unsere eigenen Grenzen. Sind nicht ehrlich in unserer Praxis.

Ein anderes Beispiel ist die Konfliktvermeidung. Wie oft hältst du einen Gedanken, ein Gefühl zurück, um eventuellen Streit zu vermeiden? Oder du hast einen Menschen in deinem engen Bekanntenkreis, der dir gar nicht gut tut, du dir das aber nicht eingestehst?

Und dann gibt es noch Social Media. Ich wage mal zu behaupten, dass hier, in der Online-Welt, die Unwahrhaftigkeit zur Spitze getrieben wird. Wir sehen glitzernde, strahlende Profile, Selbstdarstellung bis zum geht-nicht-mehr, auch und vielleicht vor allem in sogenannten spirituellen Profilen. Häufig hat das mit “Ich will anderen helfen” gar nichts mehr zu tun.

Aber wie kann man gleichzeitig wahrhaftig und gewaltlos leben?

Eine Frage, die immer wieder auftaucht. Denn manchmal tut Wahrheit auch weh – sollte ich dann jemanden verletzen, nur um der Wahrheit willen? Oder dann doch lieber still sein, damit kein Schaden entsteht?

Grundsätzlich gibt es darauf keine “richtige” Antwort. Fest steht aber, dass die Yamas nach Wichtigkeit geordnet sind. Das heißt, dass ahimsa, Gewaltlosigkeit, erstmal höher gewichtet wird als Satya. Entscheiden muss man dann im Zweifelsfall selbst: Schade ich meinem Gegenüber mehr, wenn ich die Klappe halte? Oder geht es ihm/ihr auf lange Sicht besser und es tut nur kurz weh? Wichtig bei dieser Überlegung ist natürlich auch die Absicht. Wenn du eine friedvolle, wahrhaftige Absicht hast, dem anderen aber trotzdem schadest, solltest du dir keine Vorwürfe machen.

Bedenke auch, dass diese ganze “ich will ja niemandem weh tun” Überlegung auch eher aus dir selbst und deiner Vergangenheit kommen kann. Wahrscheinlich hat das in den allermeisten Fällen rein gar nichts mit dem anderen Menschen zu tun. Vielleicht traust du dich nicht, ein Bedürfnis auszudrücken, weil du Angst hast, jemanden zu verprellen. Aber sei da mal ganz ehrlich (!) zu dir selbst: Woher kommt die Angst? Ist sie gerechtfertigt?

5 Tipps um Satya zu üben

Die Kehle und der Klang

In der Yogaphilosophie ist das fünfte Chakra, das Kehlchakra, eng mit dem Thema Wahrheit verbunden. Ob du nun an die Chakra-Lehre glaubst oder nicht – die Stimme ist definitiv dein wichtigstes Instrument, um überhaupt deine Wahrheit zu kommunizieren! Es gibt diesen umgangssprachlichen Ausdruck “frei von der Leber wegreden”, und genau darum geht’s. Nutze deine Kehle, deine Stimme, um deinen Ideen, deinen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen. Eine gute Übung ist es daher, deine Stimme zu benutzen! Fang an zu singen. Das könnten Sanskrit-Mantren oder Beyoncé sein, ganz egal. Pack deine Emotionen in die Stimme. Madeleine von Diary of Madaleine ist Sängerin und Energiearbeiterin und weiß ganz genau über dieses Thema Bescheid! Ich interviewe sie diesen Mittwoch live auf meinem Instagram-Kanal, schau also vorbei!

Finde Ausdruck in der Kreativität

Ich weiß, ich sage es hier auf meinem Blog immer und immer wieder, und ich werde nicht müde es zu sagen: Sei kreativ. Finde etwas, das dich kreativ erfüllt. Ganz wichtig: was auch immer du tun magst, kochen, dekorieren, malen, Klamotten entwerfen, Geschichten schreiben? Tu es für DICH. Hör auf, kreativ für andere zu sein und dir zu überlegen, was vielleicht gut ankommen könnte auf Social Media. Mach mal etwas nur für deinen eigenen Geschmack, um deiner Seele Ausdruck zu verleihen.

Schreibe ein Märchen über dein Leben

In ihrem Buch “The Sevenfold Journey” geben Anodea Judith und Selene Vega für jedes der sieben Chakras Ideen und Übungen. Eine Übung für das Kehlchakra, die ich besonders schön finde, ist das Märchen-Schreiben. Nimm dir einen Zettel und Stift und beginne, eine Situation aus deiner Vergangenheit wie in einem Märchen zu beschreiben. Nimm dir eine schlechte Erfahrung vor, die heute zu bestimmten Verhaltensweisen in deinem Leben geführt haben könnte. Dein Märchen könnte so beginnen:

Es war einmal ein kleines Mädchen, das in einem kleinen Dorf lebte. Sie hatte nicht viele Freunde, da sie lieber in ihrer eigenen Welt war. Manchmal fühlte sie sich ziemlich einsam deswegen. Ihre besten Freunde waren die Tiere und die Helden aus den Büchern, die sie verschlang. Eines Tages kam sie weinend von der Schule nach Hause…

Du kannst in deiner Geschichte auch Personen und Ereignisse einbauen, die nicht real sind. Das kann dir dabei helfen, vergangene Situationen besser zu verstehen und aufzulösen.

Bedürfnisse dir selbst gegenüber zum Ausdruck bringen

Möchtest du wahrhaftig leben, musst du erst einmal lernen, deine eigenen Bedürfnisse zu spüren. Das klingt einfacher als es ist. Nimm dir jeden Tag einen Moment vor, in dem du dich nicht so gut fühlst. Versuch dann in dich zu spüren und herauszufinden, welches Bedürfnis gerade zu kurz kommt. Was könntest du jetzt gebrauchen, damit es dir wieder besser geht? Wenn möglich: teste, ob du richtig liegst. Erfülle dein Bedürfnis und schaue, ob es dir danach besser geht. Diese Übung dient dazu, mehr über dich selbst herauszufinden, deiner Wahrheit näher zu kommen.

Bedürfnisse anderen gegenüber zum Ausdruck bringen

Hast du es geschafft, dir selbst gegenüber deine Bedürfnisse auszudrücken, kommt Level 2: Versuche einmal pro Woche (du darfst natürlich auch öfters! Aber wenn es dir am Anfang schwer fällt, ist einmal in der Woche ein guter Start) einem anderen Menschen gegenüber ein Bedürfnis von dir zu kommunizieren. Das kann dein Partner sein, das können Freunde oder auch Verwandte sein. Beginne mit “harmlosen” Bedürfnissen. Wenn dir Satya schwerfällt, solltest du dir nicht gleich deinen Wunsch zum Auswandern vornehmen. Vielleicht wünschst du dir schon lange 10-15 Minuten Stille am Morgen, sodass du für dich sein kannst, aber dein Partner plaudert so gerne? Kommuniziere ihm/ihr das. Und wenn du etwas gefunden hast, das du kommunizieren kannst, mach nach zwei Tagen eine Rückblende und frage dich: Wie hat es sich angefühlt, dein Bedürfnis zum Ausdruck zu bringen? Was ist passiert? War es gut oder schlecht für dich?

Satya zu üben kann so befreiend sein.

Glaube mir. Erst heute hab ich mir überlegt: Welche Fotos sollte ich nehmen, um meinen Yoga-Anfängerkurs zu bewerben? Irgendwas neutrales? Dann aber wurde mir klar: das bin ja gar nicht ich. Und ich liebe es, weite, verspielte Klamotten zu tragen. Mit den typischen Yoga-Outfits kannst du mich jagen! Hab ich mich also für eine Latzhose entschieden 😉

Wie praktizierst du heute Satya? Ich freu mich, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt. Bis zum nächsten Beitrag <3

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4 Comments

  1. Ein schöner Artikel, und ich freue mich mehr darüber im Live zu erfahren! 🙂 Ich glaube, Ehrlichkeit und nein sagen ist vor allem für introvertierte, hochsensible Personen nicht immer einfach zu stemmen. Man spürt irgendwie die Enttäuschung des anderen und möchte es ihm ja recht machen. Dabei sind diese Ängste meist unbegründet! Im Gegenteil! Mit Wahrhaftigkeit wird eine Beziehung nur noch stärker und tiefer!

    1. Anja das ist ein wichtiger Punkt, ich glaube auch, dass es besonders sensiblen Menschen noch schwerer fällt, offen Gefühle auszudrücken. Aber du hast natürlich Recht, für die Tiefe einer Beziehung ist das echt wichtig.

    1. Danke für deinen Kommentar Katja! Sicherlich ist es viel einfacher, mit jemandem umzugehen, der ähnliche Vorstellungen hat und sich dieses Thema auch mal angeschaut hat. Dennoch ist Satya ja erstmal nicht abhängig vom anderen. Wir können mit unserem Handeln ein Beispiel setzen. Wie unser Gegenüber darauf reagiert, das liegt nicht mehr in unserer Hand.

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