Es ist Lockdown, du sitzt zu Hause rum, überlegst dir vielleicht, was du Schönes essen könntest. Auf der Suche nach Rezepten verzettelst du dich und findest auf YouTube eine spannende Anleitung zu Origami-Tierchen. Das musst du unbedingt mal ausprobieren! Aber nach dem Mittagessen hast du es schon längst wieder vergessen oder dir fehlt die Motivation. Kennst du das? Du fühlst dich super schnell inspiriert und hast ständig 1000 neue Ideen? Vielleicht bewundern dich sogar andere Leute für deine Kreativität. Aber eigentlich ist es eher ein kreatives Chaos? Und letztendlich setzt du davon nichts wirklich um?

Glaub mir, als Renaissance Seele kenne ich das sehr gut (falls du nicht weißt, was eine Renaissance Seele ist, lies gerne mal im Artikel “Was ist eine Renaissance Seele? 3 Haupteigenschaften” nach). Um genau zu sein habe ich den größten Teil meines Lebens damit verbracht, Ideen zu HABEN, aber nicht sie AUSZUFÜHREN. Das hat mich lange ziemlich frustriert. In meinem Kopf war immer alles so wunderbar, so bunt, so genial, aber es blieb immer nur ein Traum.

Das Problem mit dem vernetzten Denken

Ich möchte hier nicht zu sehr in die Definition von Kreativität einsteigen, das kannst du in einem anderen Artikel nachlesen wenn es dich interessiert: “Kreativ und strukturiert leben – geht das überhaupt?“. Was du aber wissen musst, ist das: als Menschen ordnen wir unsere Gedanken und Ideen immer in ein schon vorhandenes Wissensnetz ein. Kochst du gerne, dann ordnest du neue Rezepte in dein Wissensnetz “Kochen” ein. Übst du gerne Yoga, dann ordnest du eine neue Asana in dein schon vorhandenes Yoga-Wissen ein.

Warum ich dir das erzähle? Ganz einfach: wenn du etwas neues lernst und es noch kein Wissensnetz dazu gibt, vergisst du es. Punkt. Deswegen hat das mit dem Bulimie-Lernen in der Schule auch nicht funktioniert 😉 es ist erwiesen, dass neue Informationen nicht “einfach so” im Kopf drin bleiben. Heißt für dich: Wenn du ein kreativer Vielbegabter bist, der es richtig toll findet, sich ständig mit neuen Themen und Herausforderungen zu beschäftigen, dann brauchst du ein System, mit dem du diese neuen Infos abspeichern kannst. Sonst sind sie – POOF – weg und du landest im kreativen Chaos. In dem gar nichts mehr passiert.

Kreatives Chaos bekämpfen – mit Fokuspunkten

Wie soll das nun also gehen? Neue Dinge lernen, total kreativ und inspiriert sein, aber dann auch wirklich in die Umsetzung kommen? Trommelwirbel… Du brauchst Fokuspunkte.

Fokuspunkte geben dir genügend Freiraum und die notwendige Beschränkung, um vom kreativen Chaoten zur kreativen Macherin zu werden.

Ich weiß, deine Zehennägel haben sich beim Wort Beschränkung gerade nach oben gerollt. Verstehe ich ja. Aber gib der ganzen Sache eine Chance, glaub mir, es ist wahnsinnig hilfreich. Ich möchte gerne, dass du mal darüber nachdenkst, wie du deine To-Do-Listen und/oder Notizbücher im Moment gestaltest, falls du welche hast. Bei mir war das früher immer ein buntes Sammelsurium. Ich habe ALLES in mein Notizbuch geschrieben: Aufgaben, Ideen, inspirierende Zitate, Skizzen, Links… ALLES. Der Nachteil? Es ist zwar immer schön anzusehen (zumindest wenn man so künstlerisch veranlagt ist wie ich) aber um ganz ehrlich zu sein: man findet absolut NICHTS wieder. Es ist unübersichtlich und nutzlos. Deswegen habe ich im Folgenden eine Anleitung für dich, wie du in Zukunft deine Notizen gestalten kannst.

1. Finde vier Fokuspunkte

Überlege dir 4 größere Themen, denen du in nächster Zeit deine Aufmerksamkeit schenken willst. Wenn du eine Renaissance Seele bist, ist völlig klar, dass du diese 4 Themen nicht für immer behältst. Mach dir das klar. Du kannst diese Themen jederzeit wechseln. Wichtig ist es, dass deine Fokuspunkte nur Themen sind, die dir Spaß machen. Macht dir dein Job also kein Spaß, ist er auch kein Fokuspunkt. Wenn du jetzt sagst: “Schön, aber wie soll ich denn 4 verschiedene Themenbereiche in meinem Alltag gebacken kriegen? So viel Zeit hab ich doch gar nicht?”, dann ist das berechtigt. Wir werden über das Zeitmanagement in einem anderen Artikel sprechen. Im Moment solltest du dir keine Gedanken über deine Zeit machen. Außerdem müssen die Fokuspunkte auch nicht unbedingt eine handlungs-basierte Tätigkeit sein. Wenn du das Gefühl hast, dass du mehr Ruhe und Entspannung in deinem Leben brauchst, dann ist eben “Ruhe” einer der Fokuspunkte. Wichtig: mit diesen Fokuspunkten versprichst du dir selbst, in nächster Zeit NUR diesen vier Themen Zeit zu widmen. Du brauchst eine GEWISSE Einschränkung. Alles andere ist kreatives Chaos! Andere Themen sind deswegen nicht verloren. Sie sind nur jetzt, im Moment, noch nicht dran.

2. Lege dir für jeden Fokuspunkt ein Notizbuch an

Wenn du keine Lust auf 4 verschiedene Notizbücher hast, kannst du auch ein Notizbuch in 4 verschiedene Abschnitte unterteilen. Ich persönlich verwende das papertablet reMarkable (keine bezahlte Werbung. Ich liebe es einfach). Ist zum Beispiel einer der Fokuspunkte “Ruhe”, dann kommen in diesen Abschnitt alle Ideen, Inspirationen, Buchwünsche und To-Dos rein, die dir eben so einfallen. Wichtig ist einfach, dass du deine Ideen und Gedanken sofort in dein Notizbuch schreibst, sobald du sie hast.

3. Das fünfte Notizbuch

Ich weiß, ich weiß, ich habe gesagt nur vier Fokuspunkte. Aber das fünfte Notizbuch hat eine wichtige Funktion: Das fünfte Notizbuch ist deine Ablagefläche für “anderes”. Es ist vielleicht das Notizbuch, das deinem jetzigen am ehesten ähnelt. Dort kannst du alles hineinschmeißen, das dich spontan anlacht, Ideen zu anderen Themen/Hobbies etc. Mit einem wichtigen Unterschied: wenn du dort hineinschaust, weißt du genau, dass du dort Dinge findest, die gerade NICHT zu deinen Fokuspunkten passen. Wenn überhaupt, darfst du dort kreatives Chaos ausleben. Benutze dieses fünfte Notizbuch, um eventuell Fokuspunkte auszutauschen. Wenn du also merkst, dass dein Brotback-Fokuspunkt-Notizbuch eigentlich permanent leer bleibt, dafür aber im fünften Notizbuch immer wieder Ideen zum Thema “Webseiten programmieren” aufploppen, weißt du, dass es Zeit ist, ein neues Set Fokuspunkte anzulegen. Dasselbe gilt, wenn du ein Projekt als Fokuspunkt hattest (zum Beispiel: Website gestalten) und dieses Projekt beendet ist. Dann darfst du zum nächsten Fokuspunkt übergehen und dich von diesem fünften Notizbuch inspirieren lassen.

Wie du jetzt in die Umsetzung kommst

Du verwendest jetzt also fleißig deine Notizbücher. Um deine Ideen umzusetzen, braucht es aber tatsächlich noch ein bisschen mehr Arbeit. Plane dir dafür einmal in der Woche ein Meeting mit dir selbst ein (entspannt am Sonntag-Morgen vielleicht?). Das dauert maximal eine Stunde. Nimm dir die Zeit, um durch deine Fokuspunkt-Notizbücher durchzugehen. Markiere dir, welche Punkte du als dringend empfindest. Diese Punkte nimmst du dir als To-Dos für die nächste Woche vor. Stell sicher, dass du aus jedem Fokuspunkt mindestens ein To-Do auswählst. Kreatives Chaos ade!

Der Erzfeind Zeit

Wie du dich im Alltag mit den Fokuspunkten strukturierst, habe ich dir in diesem Artikel gezeigt. Im nächsten geht’s dann um Zeitmanagement-Methoden für Renaissance Seelen. Dort lernst du, wie du deine To-Dos vernünftig über die Woche aufteilst. Es wird spannend, glaub mir! Aber bis dahin sag mir: kannst du dich mit diesem kreativen Chaos identifizieren? Kennst du es, dass du einfach nie in die Umsetzung deiner Ideen kommst? Oder hast du noch irgendwelche Fragen? Schreib’s mir in die Kommentare.

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4 Comments

  1. So ein schöner Artikel! Der Tipp mit den mehreren Notizbüchern gefällt mir echt gut und ist auch definitiv für nicht-Renaissance-Seelen geeignet. Spricht mich an, werde ich mal schauen wie ich das für mich umsetze! 🙂

    1. Das stimmt absolut! Spannend wird es dann tatsächlich bei der Zeitplanung. Ich glaube das kann grundsätzlich ziemlich nützlich sein, wenn man a) eine Frau ist und b) sehr intuitiv unterwegs ist. Dieses geradlinige Planen und zu einer bestimmten Zeit umsetzen ist glaub ich eher etwas für Männer. Und für Renaissance Seelen ist das noch viel schlimmer.

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