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Bestimmt hast du sie in deinem Bekanntenkreis, die Experten. Sie wussten quasi schon als sie aus dem Mutterleib geplumpst sind, was sie irgendwann mal werden wollen. Die Mozarts dieser Welt, die zwar nicht unbedingt so krass genial sein müssen wie Mozart, die aber diese eine Berufung haben, in der sie aufgehen können.

Wenn du jetzt an so einen Mozart denkst, der als kleines Kind mit dem Klavierspiel begonnen hat und diese Gabe sein Leben lang perfektioniert hat… fühlst du dich dann schuldig, oder enttäuscht? Weil du so etwas in deinem Leben nicht hast? Diese eine Spezialisierung, die dich eben ausmacht? Vielmehr ist dein Leben ein bunter Blumenstrauß voll von sich ständig wechselnden Interessen? Dann bist du vielleicht eine Renaissance Seele.

Was ist eine Renaissance Seele?

Renaissance Seele ist ein Begriff, den Margaret Lobenstine in ihrem Buch “Renaissance Soul – how to make your passions your life” zum ersten Mal verwendet hat. Sie bezeichnet damit Menschen, die in ihrem Leben wahnsinnig viele Interessen haben.

In unserer Kultur wird es nicht gern gesehen, wenn man keinen Fokus hat. Es wird erwartet, dass man sein ganzes Leben EINEM Thema widmet. Aber weißt du was? Ich konnte schon als Kind die Frage “Was willst du mal werden?” nicht beantworten. Diese Frage ist einschränkend. Natürlich hätte ich sagen können “Ich möchte gerne Künstlerin, Sängerin und Forscherin werden. Und Tierfotograf! Und Köchin, und natürlich Weltenbummler.” Was wäre die Antwort auf so eine Aussage gewesen? “Du musst dich schon für eine Sache entscheiden!”.

Und die Renaissance Seele antwortet darauf: “Nein, muss ich nicht.”

Warum der Name “Renaissance Seele?”

Vorstellungen und Werte einer Gesellschaft wandeln sich ja auch mit der Zeit. So sind wir Frauen heute zum Glück schon näher an der Gleichberechtigung dran, als das noch vor 50 Jahren der Fall gewesen ist. Schauen wir uns allerdings die Kreativität, die Vielseitigkeit an, dann bin ich der Meinung, dass wir einige Rückschritte machen. Das sieht man schon an der Uni: alle, die im Bachelor-Master-System studiert haben, können jetzt mal gemeinsam mit mir die Augen verdrehen, weil sie genauso wie ich wissen, dass für eigene Interessen wenig Zeit und Platz war im Studium. Mal in diesen, mal in jenen Fachbereich reinschnuppern? Dafür gibt’s keine Punkte, also wird es nicht gemacht. Unsere Kultur möchte momentan so viele “Experten” wie möglich züchten. Wer oder was geht dabei drauf? Genau. Diejenigen, die tief in ihrem Herzen gar keine Lust haben, ein Experte zu sein.

In der Renaissance gab es sie, die vielbegabten Multitalente. Schau dir Leonardo da Vinci an: Er hat sich mit Themen wie Anatomie, Botanik, Kartographie, Malerei und Paleontologie beschäftigt.

Damals wurde da Vinci als Mutitalent gefeiert. Heute würden ihn seine Freunde wahrscheinlich als unentschlossenen Tausendsassa bezeichnen.

Warum die Welt mehr Renaissance Seelen braucht

Mal abgesehen davon, dass es dir überhaupt nichts bringt, wenn du gegen deine eigene Natur handelst, die nun mal einfach total leidenschaftlich und neugierig ist – die Welt braucht dich. So wie die Experten, die unglaublich unfassbar viel zu EINEM Thema wissen, braucht diese Welt die Querdenker, die Vieltalentierten. Als Renaissance Seele hast du soooo viele spannende Interessen, du hast in deinem Leben schon so viel gelernt und erfahren und wahrscheinlich hattest du auch schon die unterschiedlichsten Jobs und Hobbies. Vielleicht wirst du niemals so tief in ein Thema eintauchen wie ein Experte, dafür hast du aber einen entscheidenden Vorteil:

Du siehst kreative Verbindungen zwischen Themen, auf die andere niemals kommen würden.

Kennst du das Zitat “Du kannst dich mit einem Brunnenfrosch nicht über den Ozean unterhalten”? Okay, der Vergleich hinkt ein wenig, ich möchte nicht behaupten, dass alle Experten beschränkt und Fachidioten sind. Die gibt es zwar auch, aber nein, das will ich nicht sagen. Ich möchte sagen: Als Renaissance Seele hast du einfach einen riesigen Ozean an Themen, die du anzapfen kannst. Und das ist ein Geschenk, kein Fluch. Mehr zu diesem Thema findest du auch in meinem Blogartikel “Kreativ und strukturiert leben – geht das überhaupt?“.

Was du jetzt mit diesem Wissen anfängst

Schön, sagst du jetzt vielleicht. Ich hab also viele Hobbies. Aber was mach ich jetzt mit diesem Wissen? Ich muss trotzdem meinen 9-5 Job absitzen. Und wenn ich heimkomme, bin ich zu müde und kraftlos, um mich mit meinen 1001 neuen Ideen zu beschäftigen.

GENAU DAS! Ich möchte dir gerne etwas mitgeben. Von einer Renaissance Seele zur anderen. Lass mich dir sagen: dieser vielinteressierte Teil in dir, der sich nach neuen, spannenden und kreativen Ideen und Hobbies sehnt, der geht nicht einfach weg, weil du einen festen Job hast. Weil du diese Kindheitsfrage: “Was willst du mal werden?” jetzt mit “Ich bin xy geworden” beantworten kannst. So einfach ist das nicht. Lass mich dir sagen, dass du es als Renaissance Seele BRAUCHST, deinen Leidenschaften nachzugehen. Sonst gehst du ein wie eine welke Blume. Been there, done that.

Mach dir also bitte zwei Sachen bewusst:

Du bist ganz genau richtig wie du bist. Und: wenn du ein erfülltes Leben haben willst, musst du alles daran setzen, diesen Teil in dir lebendig zu halten.

Wie ist es bei dir?

Bist du eine Renaissance Seele? Wenn ja, nenn mir fünf deiner aktuellsten Hobbies in den Kommentaren. Fühl dich umarmt <3

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10 Comments

  1. Ich bin definitiv eine Renaissance Seele!
    Meine Güte, was ich nicht schon alles hobbymäßig gemacht habe! 🙂

    Derzeit aktuell:
    – Henna
    – Singen
    – Hindi
    – Yoga (sofern das als Hobby zählt :D)
    – Tanzen (wenn keiner zuschaut :D)

    Danke für den tollen Blogpost. Er muntert mich ein wenig auf. Leider fehlt mir immer mehr die Motivation, den regulären Job zu machen. Ich mache ihn halt und er nervt mich, weil ich etwas erfüllenderes suche. Na mal sehen, wo mich das Leben so hinführt…

    Liebe Grüße

    1. Das hab ich mir schon gedacht Jolly! 😉 Willkommen im Club der Renaissance Seelen! Du lernst Hindi, wow!! Wie schön! Und klar zählt Yoga auch – es geht bei den Renaissance Seelen einfach ganz generell um Interesse. Uns interessiert wahnsinnig viel und wir können uns wahnsinnig traurig und eingeschränkt fühlen, wenn es heißt: Du darfst aber nur dieses und jenes tun.

  2. Bei mir ist das nicht so, zu viele Hobbys auf einmal überfordern mich. Ich werd dann ganz kyrre, weil mir Struktur im Alltag sehr wichtig ist und ich gar nicht wüsste, wie ich das alles auf einmal unterbringen sollte! 😀 Ich bin definitiv nicht Multitasking-fähig, sondern eher der Expertentyp ^^ Auch, wenn mich natürlich mehrere Themenbereiche interessieren, aber tatsächlich fokussiere ich mich dann da drauf, was mich am meisten interessiert. Ich habe früher sehr gerne gezeichnet, aber tatsächlich würde es mich überfordern, das neben dem Schreiben jetzt noch unterzubringen. Deswegen ja – ich bin wohl eher der Expertentyp ^^

    1. Ich wusste gar nicht dass du auch gezeichnet hast! Du musst mir bei Gelegenheit mal Bilder zeigen! <3 Und ja, gerade für die Hochsensiblen und/oder Hochsensitiven ist es meistens auch besser, NICHT dieses Persönlichkeitsmerkmal zu haben. Mich erfüllt es sehr, viele Dinge gleichzeitig zu machen und zu lernen, merke aber auch, dass mich das unglaublich ermüdet, wegen der vielen neuen Eindrücke.

  3. Liebe Dominika, herzlichen Dank für diesen Artikel.
    Früher bekam ich gesagt, dass ich mich beruflich auf nichts richtig konzentrieren kann, weil ich nach spätestens anderthalb Jahren genervt war. Heute bin ich selbstständig und gestalte meine Arbeit abwechslungsreich, das funktioniert gut.
    Mittlerweile habe ich erkannt, wie wertvoll meine vielen Erfahrungen sind.
    Als Hochsensible lebe ich die vielen Interessen heute eher im Informationssammeln aus, bei der Recherche für meine Arbeit stöber ich oft in einer Vielzahl von Themen.
    Abwechselnde Hobbys habe ich auch, derzeit Geocaching, Fotografieren, Spazieren gehen, Blog schreiben. Ich schaffe es gerade ganz gut, die miteinander zu verknüpfen, so bleiben sie interessant.

    1. Danke für deinen lieben Kommentar Sabine! Ich glaube, dass es für Renaissance Seelen wirklich sinnvoll sein kann, zumindest in Teilzeit selbstständig zu sein, eben aus den Gründen, die du nennst. Man kann sich den Alltag selbst gestalten und muss meistens eine Vielzahl von Aufgaben anpacken, was wir ja spannend finden. Wie spannend, dass du Geocaching machst! Darüber habe ich vor Jahren mal ein Buch von Bernhard Hoecker gelesen. Wo war dein letzter Cache versteckt? Liebe Grüße, Dominika

      1. Liebe Dominika,sehr gerne.
        Jja, es ist ein schönes Hobby. Mein letzter Cache war in einem Straßenschild versteckt:-)
        Es ist wirklich spannend, zu sehen, wo es überall welche gibt. Und das Hobby lässt sich so wunderbar mit dem Spazieren gehen verbinden, ich habe, sozusagen, ein Ziel.

        Liebe Grüße Sabine

  4. Was für eins schöner Blogbeitrag. Wie cool, hier ein Raum zu haben, sich mal nicht für seine Tausend Hobbys zu schämen.

    – Contemporary Dance
    – Schauspiel
    – Singen
    – Klavier spielen
    – Aikido
    – Yoga
    – Spirituelle Heilung

    1. Schön, dass du hier vorbeigeschaut hast, Livia! Hey, du bist die erste, die genauso wie ich Aikido und Yoga übt 😀 bzw. ist meine Aikido-Zeit schon lange vorbei, aber ich habe es als Jugendliche lange praktiziert. Und bei mir ist es der Bellydance 😉 schön, dass du so bunt bist!

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