Schön, dass du wieder bei mir vorbeischaust! In den kommenden Wochen werden wir uns gemeinsam die Yamas anschauen. Yamas sind yogische Verhaltensweisen. Um eine davon, ahimsa, geht es heute. Wenn du wissen willst, was es damit auf sich hat und wie du das Ganze im Alltag integrieren kannst, bleib dran.

Was ist überhaupt ahimsa?

Ahimsa ist Sanskrit. Die Sprache, auf der die meisten alten, yogischen Schriften verfasst sind. “himsa” heißt übersetzt so viel wie Gewalt, Verletzen. Die Vorsilbe “a” verneint das Ganze. Wörtlich übersetzt heißt ahimsa also “Nicht-Gewalt” oder: Gewaltlosigkeit.

Bisschen Kontext könnte nicht schaden, sagst du? Recht hast du. In der Einleitung habe ich von yamas, Verhaltensregeln, gesprochen. Diese Verhaltensregeln stehen im Yogasutra. Das ist sozusagen einer der Ursprungstexte des Yoga (Um’s Yogasutra ging es übrigens auch schon einmal in meinem Beitrag “Klarer Geist? Schon klar, aber wie?“). Geschrieben wurde es von Patanjali – vermutet man zumindest. Aber wer genau das war und ob es überhaupt nur eine Person war? Weiß man heute gar nicht.

Wenn du jetzt ins Yogasutra schaust, oder mich das zumindest für dich machen lässt ;), findest du dort den achtgliedrigen Pfad. Funfact: Auf Sanskrit heißt das “ashtanga”: ashta = acht, anga = Glied. Hat aber nichts mit dem Ashtanga Yoga zu tun, das du in Yogastudios praktizieren kannst. Nur damit es zu keiner Verwirrung kommt.

Das erste Glied dieses Pfades ist “Yama”, also die ethischen Verhaltensregeln gegenüber anderen. Das ist wichtig zu erwähnen. Die Verhaltensregeln gegenüber sich selbst kommen nämlich als nächstes, “Niyama”. Insgesamt gibt es fünf Yamas, und das allererste, ahimsa, ist heute Thema.

Betrifft mich ahimsa überhaupt? Ich lebe doch gewaltfrei?

Du magst dir diese Frage zurecht stellen, denn wenn du nicht gerade Jack-the-Ripper-artig durch die Gegend läufst und Leute zerhackstückst, dann ist doch eigentlich alles fein. Oder?

Ich muss dich enttäuschen. Ich glaube, nein, ich weiß sogar, dass ich keinen einzigen Menschen kenne, mich eingeschlossen, der völlig gewaltfrei lebt. Warum? Gewalt fängt nicht erst mit dem Messer in der Hand an, sondern schon im Kopf.

Wann hast du das letzte Mal gelästert? Wann hat das letzte Mal ein totes Tier auf deinem Teller gelegen? Auch das ist himsa, Gewalt.

In den nächsten Absätzen gebe ich dir 5 Ideen, wie du Gewalt in deinem Leben erkennen und in ahimsa umwandeln kannst.

Es beginnt im Kopf

Es gibt sogar einige Quellen, die behaupten, gedankliche Gewalt sei schlimmer als die physische. Warum? Weil alles Übel erstmal im Geist entsteht. Niemand wird völlig friedlich und happy während dem Kochen einfach mal jemanden ermorden. Naja, vielleicht, aber zumindest kein psychisch gesunder Mensch. Es beginnt im Kopf! Mach dir also mal bewusst, wie oft du im Alltag über andere Leute urteilst. Über sie lästerst. Weil sie deiner Meinung nach hässlich gekleidet sind oder komisch aussehen. Oder weil sie fahren wie der letzte Idiot. Na? Erkennst du dich wieder? Achte mal drauf.

Niedrige Hemmschwelle Social Media

Wir kennen sie alle, die Social Media Trolle. Die Hemmschwelle ist online halt einfach kleiner. Da lässt einer einen blöden Kommentar los, der nächste fühlt sich sofort persönlich angegriffen und schon ist eine Beleidigungs-Parade im Gange, die so im realen Leben wahrscheinlich niemals stattgefunden hätte. Wenn du dich manchmal versucht fühlst, auf einen Post von jemand anderem aggressiv oder genervt zu reagieren, weil das einfach totaler Blödsinn ist, der da gepostet wurde… dann frag dich doch mal, warum du durch diesen Post so getriggert wirst. Was ist der wahre Grund? Ist es Neid? Ist es Frust im eigenen Leben? Halte also inne BEVOR du das Trollen beginnst.

Emotionale Erpressung

Ein schwieriges Thema aber eventuell eines, das dich betrifft, ohne dass du es weißt. Emotionale Erpressung findet ganz häufig dann statt, wenn man selbst wenig Selbstwertgefühl hat. Es kann sein, dass man in seiner Kindheit nicht den Halt und die Sicherheit bekommen hat, die eigentlich hätte da sein sollen. Dieses fehlende Urvertrauen kommt dann im Erwachsenenalter zum Vorschein, indem man an Freunden und Liebsten klammert. Wenn du merkst, dass du dich persönlich angegriffen, zurückgewiesen und unsicher fühlst, wenn dein Freund oder deine Freundin einmal zu etwas “nein” sagt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass du mit genau diesem Problem zu kämpfen hast. Reagierst du auf das “Nein” deiner Freunde dann mit einem silent treatment, beleidigt oder schwingst du die moralische Keule a la “Ich dachte du hast mich lieb” – dann ist das emotionale Erpressung, und damit himsa, Gewalt. Mach dir das klar und arbeite daran, dich als das starke und geliebte Wesen zu sehen, das du bist. Zwei Buchempfehlungen hierzu: “Emotionale Intelligenz” von Anja von Kanitz, “Zurück in mein Ich” von Vivian Broughton.

Negative Wertvorstellungen auf andere projizieren

Alle Sätze, die mit “Das wird doch eh nichts” oder “Das klappt nicht” oder “Das kannst du nicht” oder “Da hast du dir zu viel vorgenommen” beginnen, solltest du mehrfach überdenken, bevor du sie zu jemandem sagst. Je nachdem, wie sensibel dein Gegenüber ist, können sie bleibenden Schaden hinterlassen. Als Person, die gerne ahimsa praktizieren möchte, solltest du dein Bestes geben, deine Mitmenschen zu inspirieren und nicht zu demotivieren.

Vegane Ernährung

Dieser eine letzte Punkt auf meiner Liste ist der einzige, der erstmal nichts mit dem Geist, dem Kopf oder den Emotionen zu tun hat. Es ist aber auch einer, der so nahe liegt und trotzdem ständig übersehen wird. Was landet bei dir auf dem Teller? Nicht nur Fleischkonsum ist mit Gewalt verbunden. Für Milch werden regelmäßig weibliche Kühe künstlich befruchtet, damit sie überhaupt Milch geben können. Das ist sexuell übergriffig. Ihre Babies werden ihnen weggenommen. Männliche Küken werden in der Eier-Industrie einfach geschreddert. Das ist nur ein winziger Einblick. Wenn du dir das ganze Ausmaß und den Einfluss deiner Ernährung auf Tiere, Umwelt und Gesundheit anschauen willst, empfehle ich dir den Film “Cowspiracy”. Für den Einstieg hier außerdem ein Video von Sharon Gannon zum Thema “Why a Yogi should be vegan”.

The best way to uplift your own life is to do all you can to uplift the lives of others.

Sharon Gannon

Instagram Live zum Thema ahimsa

Wie versprochen gehe ich zu den Hennadi-Themen auf meinem Blog jede Woche mit einer anderen inspirierenden Frau live – diesmal ist es Leonie von Achtsam Vegan! Sie ist vegane Ernährungsberaterin und erzählt uns am Mittwoch, 18. November um 19 Uhr mehr zum Thema vegane Ernährung und wie der Umstieg am besten klappt. Schalte ein!

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2 Comments

  1. Super wichtiges Thema und toller Artikel dazu, danke dafür! Mir fällt da zum Thema “Lästern” ein, dass ich früher als junger Teenager immer das Gefühl hatte, da mitmachen zu müssen, weil ich Freundinnen hatte, die sich mit nichts anderem den ganzen Tag beschäftigten, als über andere herzuziehen. So richtig wohlgefühlt habe ich mich dabei nie und Gott sei Dank mache ich sowas jetzt überhaupt nicht mehr. Ich merke, dass mir sowas sogar mehr wehtut als der anderen Person 😀

    1. Oh, das ist mega interessant! Ich fand’s auch immer schwierig, weil von allen Parteien Leute zu mir kamen und jeweils über die andere Partei gelästert haben. Da steht man total im Schussfeuer, haha. Gut dass du das aufgegeben hast. Gibt ja auch Leute, mit denen man über inspirierende Themen reden kann! Danke für deinen Kommentar <3

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