Es scheint paradox zu sein. In Zeiten von Corona soll eine große Gruppe von Yoginis und Yogis zusammen kommen und in aller Ruhe eine Ausbildung wuppen? Dabei schön zen bleiben, trotz Maske, Abstandsregelungen und co.? Klingt komisch, hat aber trotzdem wunderbar geklappt. In diesem Artikel erzähle ich euch meine Eindrücke vom 75H Jivamukti Teacher Training.

Wie das Training trotz Corona stattfinden konnte

Ich bin mir sicher, diese Frage brennt dir auf der Zunge wie ein Schuss Tabasco (mhhh, ich liebe Tabasco). Deswegen bekommst du hier erstmal die Randfakten, bevor wir zu den spannenderen inhaltlichen Themen wechseln. Wir waren insgesamt 33 Auszubildende, ausgebildet haben Moritz Ulrich, Niklas Noack und Dana Sertel von Peace Yoga Berlin. Stattgefunden hat die Ausbildung im Michelberger Hotel in Friedrichshain. Danke an das Team für den ganzen Kaffee und die tollen veganen Suppen in der Mittagspause. Aber ich schweife ab.

33 Leute in einem großen Raum. Die Fenster wurden regelmäßig aufgerissen (mein Freund hat mir glücklicherweise seine Hoodies mitgegeben!). Haben wir uns im Raum bewegt, hatten wir Masken auf. Yogamatten lagen im Abstand von 1,5m auf dem Boden. Chanten durften wir nicht, haben wir also auch nicht gemacht. Naja. Bis auf ein paar gaaaaaanz leise, summende Oms 😉 Jeden Tag wurde die Temperatur aller Teilnehmer gemessen. Und dann wurden wir in kleine Grüppchen von drei Leuten eingeteilt, denen wir nah kommen durften, zum Assistieren, zum Üben usw. Diese Dreier-Grüppchen haben wir so gut wie nie verlassen, auch nicht in den Mittagspausen.

Was können wir daraus lernen?

Und die Moral von der Geschicht? Das klingt alles total viel und stressig, aber ganz ehrlich? Jeder wusste, was zu tun ist und hat dann einfach das Beste aus der Situation gemacht. Ich habe während meiner kompletten Zeit dort kein einziges Gespräch gehört, das sich über die Umstände beschwert hat. Und wenn überhaupt sich jemand hätte beschweren können, dann die Assistenten, die sich nach jeder Berührung die Hände desinfiziert haben. Prost Mahlzeit, das nenne ich mal Engagement.

Was können wir daraus lernen? Auch wenn eine Situation schwierig, einengend oder einfach nur sch… recklich erscheint: Konzentrier dich darauf, was du tun kannst und genieße die schönen Seiten. Ich zumindest habe zwei tolle Frauen in meiner kleinen Gruppe gehabt, die ich bestimmt auch mal in Tschechien besuchen werde, wenn es wieder möglich ist.

Wie das 75H Jivamukti Teacher Training aufgebaut ist

Solltest du selbst am Training interessiert sein, hier also ein paar Infos zum Aufbau und zu den Inhalten. Wichtig zu wissen: Das Teacher Training deckt lediglich eine einzige Jivamukti Klasse ab, den Spiritual Warrior. Und das reicht auch vollkommen für diese 10 Tage bzw. 75 Stunden. Falls du den Spiritual Warrior nicht kennen solltest: es handelt sich dabei um eine Sequenz im Vinyasa Stil. Sie deckt alle möglichen Bewegungen der Wirbelsäule ab (Twists, Rückbeugen, Vorbeugen, Seitwärtsbeugen…) und ist damit super geeignet, um einfach mal den ganzen Körper zu mobilisieren. Die Sequenz dauert insgesamt 60 Minuten und beinhaltet neben der Asana-Praxis das bewusste Setzen einer Intention und eine fünfminütige Meditation.

Wir haben das Teacher Training jeden Tag mit einer Meditation begonnen. Ruhig und besonnen in den Tag starten. Naja. Hat mal mehr, mal weniger geklappt 😀 Nach einem Theorieteil (dazu in den nächsten Abschnitten mehr) sind wir dann relativ schnell zur Spiritual Warrior Praxis übergegangen. In den Sitzungen danach hat Moritz entweder über Themen der Yogaphilosophie oder über die Sequenz selbst gesprochen. Und das Tolle: Wir haben gleich zu Beginn (ich glaube bereits am zweiten Tag) damit angefangen, selbst unterrichten zu üben. In unseren kleinen Gruppen versteht sich. Ab ca. der Hälfte der Ausbildung haben wir dann auch das Assistieren gelernt. War die Ausbildung für den Tag beendet, gab es für daheim noch Hausaufgaben. Das konnte zum Beispiel etwas zu lesen sein, oder praktische Übungen.

Yoga im Kontext: die Philosophie ist nicht zu kurz gekommen

Man mag es kaum glauben, trotz der unfassbar kurzen Zeit ist es den Ausbildern trotzdem gelungen, ein breites Spektrum an philosophischen Themen einzubauen. Zu denen es im Übrigen seitens der Teilnehmer auch viel Diskussionsbedarf gab. Das war natürlich alles erlaubt, denn so eine Diskussion bzw. ein Zusammenkommen im Satsang ist wahnsinnig inspirierend.

Sharon Gannon und David Life, die Begründer des Jivamukti Yoga, haben in ihrem Buch “Jivamukti Yoga” etwas geschrieben, das nachhaltig bei mir hängen geblieben ist:

There is only one yoga, even though there are many brand names for it. […] But if our practices are only deconstructed, how will the joining of the mortal and finite small self to the eternal and infinite Self that is the true aim of yoga take place? […] In this book we are going to put yoga practices back together that were taken apart […].

Sharon Gannon, David Life

Als jemand, der nicht über die körperliche Praxis zum Yoga gekommen ist, habe ich den reinen Fitness-Aspekt hier im Westen schon immer merkwürdig gefunden (Schau dir auch mal meinen Artikel “Yoga Vorurteil: Yogis sitzen den ganzen Tag nur rum und singen Omm” an). Umso schöner, dass im Training genügend Zeit war, sich mit Themen wie den unterschiedlichen Yoga-Pfaden, den drei Bewusstseinszuständen (tamas, rajas, sattva), Mantra und sogar dem Yogasutra zu beschäftigen.

Ahimsa beispielsweise ist eines der fünf Yamas (zu den Yamas kommen bald Blogeinträge!). Es bedeutet übersetzt soviel wie “nicht-Gewalt”. Ein wunderbares Beispiel für die Umsetzung dieser Verhaltensregel ist ein veganer Lebensstil. Zu diesem Thema haben wir uns den Film Cowspiracy angesehen, den ich euch wärmstens empfehlen möchte.

Mein Schlusswort und Danksagung

Ich (links) und meine zwei Partnerinnen aus dem Dreier-Grüppchen

Falls nun jemand denken sollte, dass Peace Yoga mich gesponsert hat: nein. Ich spreche hier nur eine ehrliche Empfehlung für das 75H Jivamukti Teacher Training aus. 10 Tage lang Berlin (ich meine, das Essen?! Das Veganer-Paradies schlechthin!). 10 Tage lang Yoga Asana. 10 Tage lang mit inspirierenden, positiv eingestellten Menschen. 10 Tage lang Wissen zu allen möglichen philosophischen Themen. 10 Tage lang spannender Austausch im Training und den Pausen.

Danke liebe Dana, lieber Moritz und Niklas für all eure Mühen, dafür, dass ihr trotz herausfordernder Zeiten alles gegeben habt und positiv geblieben seid. Danke für die kompetente Begleitung und alles, was ich von euch lernen durfte. 🧡

Und übrigens: den Spiritual Warrior unterrichte ich jetzt immer montags in der Yogainsel (momentan online, versteht sich).

Recommended Articles

2 Comments

  1. Spannend, wie sowas selbst in Zeiten von Corona funktionieren kann. Leider geht es ja im Moment wieder gar nicht mehr, aber ich glaube, dass die Hygieneregelungen in den Studios eigentlich wunderbar funktionieren. Klingt auf jeden Fall danach! Ich hoffe, dass es bald wieder Live möglich ist. Wobei Online natürlich eine mega super Sache ist, gerade wenn man wie ich, nicht bei dir vor Ort ist. 🙂

    1. Danke für deinen Kommentar, Anja! Ja, eigentlich kann man wirklich ganz viel schaffen, wenn der Wille nur da ist. Wir werden sehen, wie es weitergeht, die nächste Runde auf jeden Fall komplett online. 🙂

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.